Alkohol die Gesellschaftsdroge

gesellschaftsdroge-bierDer Konsum von Alkohol ist in Deutschland sehr weit verbreitet. Eine Statistik der Drogenbeauftragten der Bundesregierung gibt an, dass 1,3 Millionen Deutsche alkoholabhängig sind. Doch das ist nur die Spitze des sprichwörtlichen Eisbergs. Den Erhebungen der Drogenbeauftragten zufolge nimmt der Alkoholkonsum von 9,5 Millionen Deutschen eine gesundheitlich bedenkliche Form an. Pro Jahr gibt es in Deutschland rund 74.000 dem Alkoholkonsum geschuldete Todesfälle.

Der pro Jahr verzeichnete volkswirtschaftliche Schaden beläuft sich auf knapp 27 Milliarden Euro. Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2013, haben sich aber bis zum Jahr 2015 nicht nennenswert verändert.

Aufklärungskampagnen zum Alkohol zeigen erste Erfolge

Bei Menschen bis zu einem Alter von 25 Jahren ist die Tendenz zum Alkoholkonsum glücklicherweise rückläufig. Nach Angaben des Portals Statista gaben im Jahr 1979 noch rund 67 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 25 Jahren an, regelmäßig Alkohol zu konsumieren. Bis zum Jahr 2015 sank deren Anteil bis auf 33,6 Prozent. Noch erfreulicher ist der Trend bei den 12- bis 17-Jährigen. Innerhalb der letzten Dekade gab es eine Senkung bei den regelmäßigen Alkoholkonsumenten von 18,6 Prozent (2005) auf 10 Prozent (2015). Doch auch dieser Anteil ist noch viel zu hoch, denn ein früher Kontakt mit der Gesellschaftsdroge Alkohol fördert den Weg in eine Sucht.

Enthemmung ist beim Alkohol besonders gefährlich

Leider ist es eine traurige Tatsache, dass vom Alkohol der Einstieg zum Gebrauch anderer Drogen gefördert wird. Dabei reicht die Palette vom Nikotin über Cannabis bis hin zu Kokain und Crystal Meth. Allein schon deshalb ist es wichtig junge Menschen in Kampagnen vor den Gefahren des Alkohols zu warnen. Dabei sollte die Aufklärung bereits im Biologieunterricht in der Schule beginnen. Traurigerweise lässt in Deutschland die Beteiligung der Medien sehr zu wünschen übrig. Stichproben haben ergeben, dass auch die Kontrollen im Handel nicht überall so stattfinden, wie sich vom Jugendschutzgesetz eigentlich gefordert werden. In vielen Geschäften fehlt den Mitarbeitern dazu schlicht die Zeit.

Es gibt viele falsche Vorbilder beim Umgang mit Alkohol

Die größte Verantwortung beim Schutz Jugendlicher vor einer Alkoholsucht haben die Eltern und Großeltern. Leben sie ihren Kindern und Enkeln einen leichtsinnigen Umgang mit der Gesellschaftsdroge Alkohol vor, wird dieses Verhalten von den Jugendlichen in den meisten Fällen übernommen. In zahlreichen Statistiken wurde bewiesen, dass Kinder von Alkoholikern ein signifikant erhöhtes Risiko haben, später selbst in eine Alkoholabhängigkeit zu geraten. Das ist einerseits der negativen Vorbildwirkung und andererseits den Folgen der Co-Abhängigkeit geschuldet.

Medien und VIPs sind ebenfalls in der Verantwortung

Vor allem Jugendliche eifern gern ihren Idolen nach. An dieser Stelle erweist es sich als sehr fatal, dass viele Künstler verantwortungslos mit Alkohol umgehen. Dafür gibt es unzählige Beispiele. Die Trinkerkarriere von Amy Winehouse (nomen est omen) zeigt sehr deutlich, welche zerstörerische Wirkung Alkohol hat. Letztlich fiel die erfolgreiche britische Sängerin im Alter von gerade einmal 27 Jahren durch eine Alkoholvergiftung ihrer Drogensucht zum Opfer.

Das Leben des US-Filmproduzenten Don Simpson belegt anschaulich, dass Alkohol eine Einstiegsdroge ist. Bei seinem Tod im Jahr 1996 konnten rund zwanzig verschiedene Drogen nachgewiesen werden. Nötig hatte das Don Simpson ganz sicher nicht, denn durch seine Mitwirkung sind Erfolgsfilme wie „Top Gun“ und „Tage des Donners“ entstanden, die heute noch viele Fans haben.

Auch die Karrieren einiger Schauspieler vermitteln ein völlig falsches Bild. Ein solches Beispiel ist Johnny Depp, bekannt durch seine Paraderolle als Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“. Er fiel schon in seiner frühen Jugend durch seinen übermäßigen Alkoholkonsum auf, brach sogar die Schule ab, und hat dennoch den Weg bis auf die Rangliste der am besten bezahlten Schauspieler geschafft. So bekommen viele seiner Fans den Eindruck, dass eine Alkoholabhängigkeit doch so schlimm nicht sein kann. Doch dieser Eindruck ist falsch.

Die leichte Verfügbarkeit macht Alkohol zur Gesellschaftsdroge

Im Gegensatz zu anderen Drogen kann Alkohol in jedem Supermarkt gekauft werden. Es ist keine Überwindung zur Beschaffung notwendig. Außerdem ist der Kauf von Alkohol nicht strafbar. Hinzu kommt, dass Alkohol sehr preiswert verkauft wird. Der billigste Wein kostet bei den Discountern nicht einmal einen Euro pro Liter. Während Tabakwaren durch die Belastung mit immer höheren Steuern verdrängt werden sollen, sind die Alkoholsteuern in Deutschland seit vielen Jahren stabil. Das heißt, dass hier auch der Staat mit seiner Steuerpolitik ein falsches Signal setzt.

Staat hätte die Möglichkeiten der gezielten Steuerung

Die Steuern auf alkoholische Getränke sollten zur Suchtprävention in gleichem Maße wie bei den Tabakwaren angehoben werden. Hierbei sollte beachtet werden, dass die durch Alkohol verursachten Kollateralschäden ungleich höher als bei Tabakwaren sind. Ein einziger Alkoholiker kann mehrere Generationen einer Familie psychisch so schädigen, dass selbst die Erwerbsfähigkeit davon massiv beeinträchtigt sein kann. Studien haben erwiesen, dass der Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Depressionen, bipolaren Störungen und der Borderline Persönlichkeitsstörung bei Eltern mit einer Alkoholabhängigkeit signifikant höher ist als in Familien, in denen verantwortungsbewusst mit der Droge umgegangen wird.

Das heißt, dass der Staat mit höheren Alkoholsteuern auch die Möglichkeit hätte, die für die Behandlung dieser durch die Co-Abhängigkeit entstanden Krankheiten notwendigen Aufwendungen zu refinanzieren.