Einstieg in die Sucht

Zuerst einmal muss gesagt werden, dass es sich bei der Alkoholsucht um eine anerkannte Krankheit handelt. Die verschiedenen Formen werden im ICD-10-Standard der WHO mit den Kennungen F10.0 bis F10.8 konkretisiert. Die Definition des den Kater auslösenden Alkoholrauschs findet sich hier mit der Kennung F10.0 und der Bezeichnung „akute Alkoholintoxikation“. Allein schon an dieser Bezeichnung wird deutlich, dass Alkohol im Körper die Anzeichen einer Vergiftung auslöst.

Welche genetischen Ursachen kann der Einstieg in die Alkoholsucht haben?

Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass es genetische Ursachen für die Alkoholsucht gibt. Ein Hinweis darauf ergibt sich aus der Statistik. Angehörige von Alkoholikern haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risikoselbst zum Alkoholiker zu werden. Vor allem bei weiblichen Nachkommen ist die Gefahr einer späteren eigenen Abhängigkeit sehr hoch. Bei männlichen Nachkommen sorgen Besonderheiten bei der Bildung des Enzyms Alkoholdehydrogenase dafür, dass sie in den meisten Fällen größere Mengen konsumieren müssen, um eine stoffliche Abhängigkeit zu entwickeln.

Eine ebenfalls wichtige Rolle beim Einstieg in eine Alkoholabhängigkeit spielt der Neurotransmitter Dopamin.

Menschen mit Dopaminmangel haben ein erhöhtes Risiko für die Ausprägung einer Alkoholsucht. Deshalb sollte ein Dopaminmangel frühzeitig erkannt und medikamentös behandelt werden. Inzwischen gibt es auch erste Studien, in denen eine Mitwirkung des CRHR1-Gens als genetische Ursache für eine Alkoholabhängigkeit bestätigt werden konnte. Eine solche Studie wurde vom Nationalen Genomforschungsnetz in der Fachpublikation „Molecular Psychiatry“ veröffentlicht.

Gesellschaftliche Ursachen für die Alkoholsucht

Gesellschaftliche Ursachen für eine Alkoholsucht sind einerseits die ständig steigenden Anforderungen in der Arbeitswelt. Dazu zählen sämtliche Stressoren vom Termindruck über fehlende Anerkennung der erbrachten Leistungen bis hin zum Mobbing. Anderseits gehört die einfache Möglichkeit der Beschaffung zu den Faktoren, die eine Alkoholsucht begünstigen. Hinzu kommt, dass besonders bei Männern die Trinkfestigkeit als Statussymbol gewertet wird. Hier kommt den After-Work-Partys eine große Bedeutung zu.

Familiäre Ursachen für eine Alkoholabhängigkeit

Einmal abgesehen von der negativen Vorbildwirkung der Eltern ist die wichtigste familiäre Ursache der Alkoholsucht die Co-Abhängigkeit. Sie entsteht durch das in Alkoholikerfamilien herrschende Macht-Ohmacht-Verhältnis und die daraus resultierenden ambivalenten Beziehungsmuster. Dadurch fehlen in emotional belastenden Situationen tragfähige Bindungen. Angehörige begeben sich aus Scham häufig in eine freiwillige soziale Isolation. Diese begünstigt depressive Verstimmungen, die mit Alkohol als Stimmungsaufheller bekämpft werden.

Die in der Herkunftsfamilie erlebten ambivalenten Beziehungsmuster führen dazu, dass sich erwachsene Kinder von Alkoholikern häufig alkoholkranke Menschen als Partner suchen. Durch die bei Kindern von Alkoholkranken inzwischen bestätigte Minderung der Erregungsfähigkeit der Amygdala empfinden sie sich selbst häufig als gefühlskalt. Das führt zu einer signifikanten Minderung des Selbstbewusstseins. Ein geringes Selbstbewusstsein ist wiederum einer der Faktoren, welcher den Einstieg in eine Sucht als Mittel der Kompensation begünstigt.

Alexithymie ist maßgeblich an der Alkoholsucht beteiligt

Vor allem Schwierigkeiten beim Umgang mit Emotionen scheinen beim Einstieg in und die Erhaltung einer Alkoholsucht eine wichtige Rolle zu spielen. Das belegt die Tatsache, dass der Anteil von Alkoholikern unter Patienten mit Alexithymie besonders hoch ist. Bei einer Alexithymie ist die Herstellung von Zusammenhängen zwischen der Mimik und Gestik sowie körperlichen Symptomen mit Gefühlen gestört. Salopp ausgedrückt: Alexithymiker sind unfähig, Gefühle bei anderen Menschen „zu lesen“ und bei sich selbst zu erkennen und korrekt zu interpretieren. Hier dient der Alkohol als Mittel der Selbstmedikation zur Unterdrückung der von Gefühlen ausgelösten Symptome wie beispielsweise Herzrasen oder ein Kribbeln im Bauch.

Der Einstieg in die Alkoholsucht erfolgt schleichend

Der Beginn einer Alkoholsucht erfolgt immer als operante Konditionierung. Davon sprechen Mediziner dann, wenn auf die Zuführung des Suchtmittels nahezu sofort die „Belohnung“ folgt. Beim Alkohol geschieht das in verschiedenen Formen. In einer als normal empfundenen Situation fügt die Wirkung des Alkohols positive Elemente in Form von Glücksgefühlen und Entspannung hinzu.

In belastenden Situation überdeckt die Wirkung des Alkohols negative Elemente wie Angst. Groll und Anspannung. Dadurch wird Alkohol häufig als Mittel der Stressbewältigung missbraucht.

Die kontinuierliche Steigerung der konsumierten Mengen ist typisch

Wie bei allen anderen Drogen setzt auch beim Alkohol eine gewisse Gewöhnung ein. Das heißt, um die gewünschte Entspannung oder Euphorie zu erreichen, benötigen die Betroffenen immer größere Mengen Alkohol. Außerdem treten typische Entzugserscheinungen wie Nervosität, Schlafstörungen, gereizte Stimmungen und depressive Episoden auf. Diese Symptome lassen sich für eine gewisse Zeit durch den erneuten Alkoholkonsum lindern. Damit setzt ein Lerneffekt ein, der letztlich in einer psychischen Abhängigkeit endet.

Das ist übrigens eine der Besonderheiten der Alkoholkrankheit: Hier besteht sowohl eine psychische als auch eine stoffliche Abhängigkeit.

Gesellschaftliche Akzeptanz fördert den Einstieg in eine Sucht

Während bei Drogen wie Cannabis und Kokain schnell eine moralische Verurteilung stattfindet, ist das bei Alkohol nicht der Fall. Trinken wird von der Gesellschaft bis zu einem gewissen Grad ohne eine Abwertung der Person toleriert. Das heißt, dass einem Alkoholiker in der Einstiegsphase das bei anderen Drogen übliche negative soziale Feedback komplett fehlt. Sobald erste Kritiken geäußert werden, wird ein Alkoholiker seine Sucht verstecken. Das ist dummerweise sehr einfach möglich, da es im Handel sehr viele stark riechende Substanzen gibt, die zum Übertünchen des Alkoholgeruchs verwendet werden können.

Auch die wirtschaftlichen Folgen müssen nicht sofort spürbar werden. Dafür sorgen die von vielen Banken vergebenen Kredite ohne Bindung und Kontrolle des Verwendungszwecks.